Volkskultur Steiermark GmbH

Öffnungszeiten:
Mo bis Do: 9.00 – 16.00 Uhr
Fr: 9.00 – 13.00 Uhr

Volkskultur Steiermark GmbH

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Tag des Immateriellen Kulturerbes

Wissen. Können. Weitergeben.

Was wäre unser gesellschaftliches Leben ohne den schier unendlichen Reichtum an kulturellen Ausdrucksformen? Musik, Tanz, darstellende Künste, gesellschaftliche Rituale und überliefertes Handwerk bereichern unseren Alltag und unseren gesamtgesellschaftlichen Dialog.

 

Viele dieser Ausdrucksformen werden von Generation zu Generation weitergegeben und sind dennoch offen für Veränderungen und neue Entwicklungen. Genau diese Verbindung von Überlieferung und lebendiger Weiterentwicklung macht Immaterielles Kulturerbe aus.

 

Im Rahmen der 42. Generalkonferenz der UNESCO wurde 2023 der 17. Oktober zum Internationalen Tag des Immateriellen Kulturerbes erklärt. Der Welttag soll das Bewusstsein für die Bedeutung des lebendigen Erbes in unserem Leben stärken und zugleich auf aktuelle Herausforderungen und Themen aufmerksam machen.

 

 

Von der UNESCO-Konvention zum Welttag:

Die Grundlage bildet das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes, das 2003 verabschiedet wurde. Lebendige Praktiken, die das Leben von Gemeinschaften prägen und vielfach ganz selbstverständlich im Alltag ausgeübt werden, wurden damit stärker sichtbar gemacht und als wichtiger Teil menschlichen Lebens und kultureller Vielfalt anerkannt.

 

Mit der zunehmenden internationalen Verbreitung des Übereinkommens wurde auch deutlich, wie groß der Wirkungsbereich des Immateriellen Kulturerbes ist. Themen wie kultureller Dialog, gesellschaftlicher Wandel, wirtschaftliche Entwicklung und ökologische Nachhaltigkeit sind heute wichtige Bestandteile der internationalen Diskussion.

Besonders der Beitrag des lebendigen Erbes zu ökologischer Nachhaltigkeit gewinnt angesichts des Klimawandels zunehmend an Bedeutung. Überliefertes Wissen und traditionelle Praktiken können wertvolle Kenntnisse für einen nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt bewahren.

Ein Mann stellt traditionelle Holz-Schindeln her
Holzschindel-Fertigung: (c) Siegfried Ellmauer
Gruppenfoto der Nikologruppe Bad Mitterndorf, Steierrmark
Nikologruppe Bad Mitterndorf

Immaterielles Kulturerbe lebt durch seine Weitergabe

Immaterielles Kulturerbe in der Steiermark:

 

Seit 2010 führt die Österreichische UNESCO-Kommission das **Nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes** in Österreich. Ein Fachbeirat entscheidet jährlich über die Neuaufnahme bestehender Elemente.

Das österreichische Verzeichnis zählt aktuell, mit Stand 6. November 2025, 178 Eintragungen. Die Steiermark ist mit insgesamt 56 Beiträgen vertreten: 13 steirische Einträge, sechs gemeinsame Einträge mit anderen Bundesländern sowie 37 österreichweit verbreitete Elemente.

 

Der Reichtum unseres regionalen Kulturlebens wird beim Blick auf die bereits erfassten Elemente besonders sichtbar. Vom Müllerhandwerk über den Ausseer Fasching und die Laßnitzer Volksschauspiele bis hin zum Wissen um das Korbmacherhandwerk reicht die Bandbreite.

 

Traditionen, Bräuche, Handwerkstechniken und Ausdrucksformen sind dabei eng mit den Menschen und Regionen verbunden, in denen sie gelebt und weitergegeben werden. Die Liste des Immateriellen Kulturerbes kann und soll sich deshalb auch in Zukunft erweitern, um weitere Traditionen und Rituale zu dokumentieren, sichtbar zu machen und ihre Weitergabe an kommende Generationen zu unterstützen.

 

Kulturelles Erbe sichtbar machen:

Uns ist es ein besonderes Anliegen, das kulturelle Erbe unseres Bundeslandes sichtbar zu machen und eine Plattform für Austausch, Vernetzung und Zusammenarbeit zu schaffen.

Dabei geht es nicht nur um die Bewahrung des Überlieferten. Immaterielles Kulturerbe bleibt lebendig, wenn Menschen ihr Wissen und Können praktizieren, weitergeben und weiterentwickeln.

 

Die Servicestelle „Volkskultur und kulturelles Erbe“ steht für Fragen zum Immateriellen Kulturerbe, zu bestehenden Einträgen und zu möglichen künftigen Anwärtern zur Verfügung.

 

Lebendiges Erbe im urbanen Raum:

Immaterielles Kulturerbe findet nicht nur im ländlichen Raum statt. Auch Städte sind Orte lebendiger kultureller Praktiken. Öffentliche Plätze, historische Stadtzentren, religiöse Orte, Museen und andere gemeinschaftliche Räume können wichtige Orte für die Ausübung und Weitergabe von Kulturerbe sein.

 

Gleichzeitig stellt die rasche Urbanisierung traditionelle Praktiken vor neue Herausforderungen. Die UNESCO beschäftigt sich deshalb zunehmend mit der Frage, wie Immaterielles Kulturerbe bei der Entwicklung urbaner Räume berücksichtigt werden kann.

 

Ein zwischen 2018 und 2022 durchgeführtes UNESCO-Projekt untersuchte anhand von sechs Städten den Zusammenhang zwischen Immateriellem Kulturerbe und Stadtentwicklung. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass lebendiges Kulturerbe soziale Verbundenheit, Identität und Nachhaltigkeit fördern kann.

 

Auch in der Steiermark stellt sich die Frage, wie jene Orte und Räume, an denen kulturelle Praktiken gelebt und weitergegeben werden, auch bei gesellschaftlichen und räumlichen Veränderungen erhalten und mitgedacht werden können.

 

Immaterielles Kulturerbe und Künstliche Intelligenz

 

Ein weiteres aktuelles Thema ist die Verbindung von „Immateriellem Kulturerbe und Künstlicher Intelligenz (KI)“.

 

KI eröffnet neue Möglichkeiten, Wissen über lebendiges Kulturerbe zu dokumentieren, zu analysieren und zugänglich zu machen. Gleichzeitig stellen sich wichtige Fragen: Wie kann kulturelles Wissen digital erfasst werden, ohne seinen jeweiligen Kontext und seine Bedeutung zu verlieren? Und wie lässt sich sicherstellen, dass kulturelles Erbe korrekt und respektvoll verarbeitet wird?

 

Die Einbindung von Kulturexpertinnen und Kulturexperten sowie der Menschen, die Trägerinnen und Träger des jeweiligen Kulturerbes sind, bleibt dabei wesentlich. Denn Immaterielles Kulturerbe besteht nicht allein aus Informationen, die gespeichert und verarbeitet werden können. Es lebt von Erfahrung, Können, persönlicher Weitergabe und dem sozialen Zusammenhang, in dem es praktiziert wird.

Anlässlich des Welttages des Immateriellen Kulturerbes widmet sich die UNESCO 2026 auch in einem Webinar dem Verhältnis von Künstlicher Intelligenz und lebendigem Kulturerbe.

 

Hintergrund: Immaterielles Kulturerbe in Österreich

Das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes wurde 2003 verabschiedet. Bis heute sind 183 Staaten dem Übereinkommen beigetreten.

Österreich hat die Konvention 2009 ratifiziert und führt seit 2010 das Nationale Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

 

Auf internationaler Ebene sind österreichische Elemente auf den drei UNESCO-Listen vertreten:

 

  • Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit
  • Verzeichnis guter Praxisbeispiele
  • Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes

 

Kulturerbe bleibt lebendig, wenn wir es weitergeben.