Das Schindeldach ist in Österreich über 3000 Jahre alt und bis in die Gegenwart nachweisbar. Dabei wird die urtümliche Art der Holzbearbeitung, das Spalten des Stammes in seiner Längsrichtung, praktiziert. Die Kunst liegt nicht nur im ausgeübten Handwerk, sondern auch in der richtigen Auswahl des Baumstammes, der Holzauswahl und der Bestimmung des Fällzeitpunktes. Die Arbeit der Schindelmacher:innen hat sich im Laufe der Jahrhunderte wenig verändert und lebt von tradiertem lokalen Erfahrungswissen. Beim Schindelmachen gelten eine Vielzahl von traditionellen Arbeitsregeln, wobei es österreichweit zu regionalen Eigenheiten kommt. Die identitätsstiftende Handwerkskunst wird von heimatverbundenen Almbauer:innen und Waldarbeiter:innen seit vielen Generationen traditionell innerhalb der Familie weitergegeben. Beim gemeinsamen Arbeiten wird das Wissen rund um das fachgerechte Spalten und richtige Dachdecken an die Jüngeren weitergereicht. Sprachlich gesehen stammt der altbewährte Dialektausdruck „Schindel kliabn“ von dem abgeleiteten lateinischen Wort „scindula“ (= Schindel) und dem altbayrischen „klieben“ (= spalten) ab.